Volvo EX90 im Familientest: sieben Sitze, 800 Volt, ehrliche Zahlen

112 Kilowatt. Diese eine Zahl hat mich am Volvo EX90 mehr beschäftigt als alles andere – und sie hat nichts damit zu tun, was das Auto eigentlich kann. Zwei Wochen, 641 Kilometer, sechs Personen und ein IKEA-Paket: Der Siebensitzer im Alltag einer sechsköpfigen Familie aus Solingen.

Vorschaubild zum Video über den Volvo EX90

KI-generiertes Bild

Der Testwagen in Kürze

Volvo EX90 als Single Motor mit Heckantrieb (245 kW). Der Testwagen stand mir zwei Wochen als Pressewagen von Volvo zur Verfügung, in der Version für 101.530 Euro. Er wiegt rund 2,6 Tonnen, hat sieben echte Sitze und verbrauchte im Test 19,8 kWh auf 100 Kilometer.

Sieben Sitze im Familienalltag

Blick vom Kofferraum auf die grauen Sitzrückseiten mit Top-Tether-Markierungen und dahinter sichtbaren Kopfstützen
Blick vom Kofferraum auf die Sitzrückseiten mit den Top-Tether-Markierungen.
Sechs oder sieben Personen unterwegsWir waren mehrfach zu sechst oder zu siebt im Auto, nicht nur mit Kindern. Mindestens vier Erwachsene waren dabei, und es hat gut funktioniert.
Sitzerhöhung zum AusklappenIn der Mitte der zweiten Reihe klappt eine Sitzerhöhung aus dem Polster. Links und rechts daneben passten trotzdem zwei größere Kindersitze. Sie kostet 310 Euro Aufpreis.
Kein Isofix in Reihe dreiDort lässt sich ein Kindersitz nicht verankern. Wir haben ihn normal daraufgestellt, laut Video ist das zulässig. Bei über 100.000 Euro darf man trotzdem darüber nachdenken.
IKEA-Paket mit sechs PersonenZu sechst zu IKEA und ein Paket mit 120 mal 60 Zentimetern mitgenommen: Das ging, die Sitze mussten wir nur etwas verstellen.

Zuladung: die ehrliche Rechnung

Sieben Sitze im Prospekt heißen nicht, dass sieben Menschen mit Koffern in den Urlaub fahren können. Bei sechs Erwachsenen bleiben beim EX90 rechnerisch rund 155 Kilo für alles andere. Das ist die Rechnung, die ich vor jedem Siebensitzer-Kauf anstellen würde, bevor ich einen Vertrag unterschreibe.

Geöffneter Frontkofferraum eines silbergrauen Volvo mit einem orangefarben gestreiften Tuch und einer Tasche
Der geöffnete Frontkofferraum mit einem Tuch und einer Tasche.

Verbrauch: 19,8 kWh auf 100 Kilometer

Auf 641 Kilometern, die ich selbst gefahren bin, lag der Verbrauch bei 19,8 kWh auf 100 Kilometer, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52 km/h. Für ein Auto mit 2,6 Tonnen finde ich das einen starken Wert, und er liegt mitten in den Angaben von Volvo. Auf einer Autobahn-Etappe von 137 Kilometern mit durchschnittlich 92 km/h waren es 21,2 kWh, bei einem warmen Septembertag, normaler Fahrweise und Klima an.

Laden: warum am Tesla Supercharger nur 112 kW ankamen

Der EX90 kann mit 800 Volt laden. An einem EnBW-Hypercharger in Solingen sah ich einen Peak von 212,9 kW. An den Tesla Superchargern in Frankfurt und Limburg waren es dagegen nur 112 kW, obwohl das Auto deutlich mehr könnte. Die Erklärung steckt in der Technik und nicht in einem Fehler: Das Auto arbeitet mit 800 Volt, die Tesla Supercharger mit 400 Volt. Die beiden passen nicht zusammen, und das Auto bekommt dort nur etwa die halbe Leistung. Wer einen 800-Volt-Wagen kauft, sollte wissen, an welchen Säulen er die Technik überhaupt nutzen kann.

Drei Ladestopps am 07.09.2026: EnBW Solingen: 12 Minuten, 32,0 kWh, 51 ct/kWh, 16,44 Euro. Tesla Frankfurt: 7 Minuten, 12,3 kWh, 54 ct/kWh, 6,61 Euro. Tesla Limburg: 1 Stunde 25 Minuten, 90,4 kWh, 56 ct/kWh, 50,62 Euro. Zusammen 134,7 kWh für 73,67 Euro.

In Limburg hat die Säule 90,4 kWh abgerechnet, im Akku kamen rund 82 kWh an. Das sind 8,4 kWh oder 9,3 Prozent Ladeverlust, die man mitbezahlt und über die selten jemand spricht.

Was mich gestört hat

SchlüsselkarteMein Testwagen hatte nur eine Karte, die man an den Türgriff halten muss. Im Alltag nervt das schnell. Wer bestellt, sollte sich nicht allein darauf verlassen.
LadeplanungDas Auto hat den Tesla Supercharger nicht als Ladepunkt erkannt, und ich musste die Vorkonditionierung von Hand starten. Im Testwagen lief noch der alte Google Assistant, ob der neue die Planung besser verstanden hätte, kann ich nicht sagen.
AnhängelastLaut Angabe sind es nur 1.500 Kilo. Gezogen habe ich im Test nichts.
SpurwechselassistentDie Assistenzsysteme liefen zuverlässig, der Spurwechselassistent war mir aber zu zögerlich.

Für wen passt der EX90?

Für Familien, die ein leises, sehr hochwertig verarbeitetes Auto wollen und für die der Preis nicht die entscheidende Größe ist. Nichts für alle, die rechnen müssen, und nichts für alle, die drei Kindersitze in Reihe zwei und drei brauchen. Kein Schnäppchen und kein Sparauto, aber ein grundsolider Siebensitzer, der genau das gut macht, wofür man ihn kauft.

Der Volvo EX90 war ein Pressewagen von Volvo. Inhaltliche Vorgaben gab es keine. Das Video enthält außerdem einen bezahlten Teil (Anzeige) von Reolink. Wie ich mit Werbung und Leihgaben umgehe, steht in meinem Kodex.

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