112 Kilowatt. Diese eine Zahl hat mich am Volvo EX90 mehr beschäftigt als alles andere – und sie hat nichts damit zu tun, was das Auto eigentlich kann. Zwei Wochen, 641 Kilometer, sechs Personen und ein IKEA-Paket: Der Siebensitzer im Alltag einer sechsköpfigen Familie aus Solingen.
Der Testwagen in Kürze
Sieben Sitze im Familienalltag

Zuladung: die ehrliche Rechnung
Sieben Sitze im Prospekt heißen nicht, dass sieben Menschen mit Koffern in den Urlaub fahren können. Bei sechs Erwachsenen bleiben beim EX90 rechnerisch rund 155 Kilo für alles andere. Das ist die Rechnung, die ich vor jedem Siebensitzer-Kauf anstellen würde, bevor ich einen Vertrag unterschreibe.

Verbrauch: 19,8 kWh auf 100 Kilometer
Auf 641 Kilometern, die ich selbst gefahren bin, lag der Verbrauch bei 19,8 kWh auf 100 Kilometer, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52 km/h. Für ein Auto mit 2,6 Tonnen finde ich das einen starken Wert, und er liegt mitten in den Angaben von Volvo. Auf einer Autobahn-Etappe von 137 Kilometern mit durchschnittlich 92 km/h waren es 21,2 kWh, bei einem warmen Septembertag, normaler Fahrweise und Klima an.
Laden: warum am Tesla Supercharger nur 112 kW ankamen
Der EX90 kann mit 800 Volt laden. An einem EnBW-Hypercharger in Solingen sah ich einen Peak von 212,9 kW. An den Tesla Superchargern in Frankfurt und Limburg waren es dagegen nur 112 kW, obwohl das Auto deutlich mehr könnte. Die Erklärung steckt in der Technik und nicht in einem Fehler: Das Auto arbeitet mit 800 Volt, die Tesla Supercharger mit 400 Volt. Die beiden passen nicht zusammen, und das Auto bekommt dort nur etwa die halbe Leistung. Wer einen 800-Volt-Wagen kauft, sollte wissen, an welchen Säulen er die Technik überhaupt nutzen kann.
In Limburg hat die Säule 90,4 kWh abgerechnet, im Akku kamen rund 82 kWh an. Das sind 8,4 kWh oder 9,3 Prozent Ladeverlust, die man mitbezahlt und über die selten jemand spricht.
Was mich gestört hat
Für wen passt der EX90?
Für Familien, die ein leises, sehr hochwertig verarbeitetes Auto wollen und für die der Preis nicht die entscheidende Größe ist. Nichts für alle, die rechnen müssen, und nichts für alle, die drei Kindersitze in Reihe zwei und drei brauchen. Kein Schnäppchen und kein Sparauto, aber ein grundsolider Siebensitzer, der genau das gut macht, wofür man ihn kauft.
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