Kia EV2 im Test: 42 kWh, 270 km echte Reichweite und ein 2-Meter-Mann

Ein kleiner Akku, ein kleiner Preis, ein kleines Auto: Der Kia EV2 ist das Gegenteil von fast allem, was ich in den letzten Jahren testen durfte. Zwei Wochen mit dem 42,2-kWh-Akku im Bergischen Land, auf einer Fahrt nach Assen in Holland – und mit der Frage, ob ein 2,02-Meter-Mann überhaupt reinpasst.

Vorschaubild zum Video über den Kia EV2

KI-generiertes Bild

Der Testwagen in Kürze

Kia EV2 Earth mit Frontantrieb, 42,2 kWh (LFP), 108 kW (146 PS). 317 Kilometer nach WLTP, von null auf 100 in 8,7 Sekunden, Spitze 161 km/h. Der Basispreis liegt bei 26.600 Euro, als Earth bei 31.290 Euro. Mein Testwagen stand mit Sonderlackierung und sechs Paketen bei 37.530 Euro und hatte vier statt fünf Sitze.

Platz: passe ich rein?

Blick von hinten auf das Cockpit des Kia EV2 mit Lenkrad, Bildschirm, Armaturenbrett und den beiden Vordersitzen, beide Türen sind geöffnet.
Der Innenraum des EV2 von hinten gesehen: Cockpit, Mittelkonsole und die beiden Vordersitze.
Offener Kofferraum des Kia EV2 mit Laderaumabdeckung, aufrechten Rücksitzlehnen und einer schwarzen Tasche auf dem Ladeboden.
Der Kofferraum bei geöffneter Heckklappe, mit Abdeckung und einer Tasche auf dem Boden.
Vorne jaMit 2,02 Metern sitze ich vorne entspannt, Kopf- und Beinfreiheit passen. Für ein Auto dieser Größe ist das die eigentliche Überraschung.
Hinter mir drei ZentimeterSteht mein Sitz ganz hinten, bleiben bei ganz vorgeschobener Rückbank drei Zentimeter Luft. Dort sitzt niemand mehr mit Beinen. Die Rückbank lässt sich aber verschieben: nach vorn für mehr Kofferraum, nach hinten für mehr Beinfreiheit.
Zu viert mit ErwachsenenZwei Erwachsene meines Formats hintereinander gehen nicht. Stellt meine Tochter mit fast 1,80 Metern den Fahrersitz für sich ein, passe ich dahinter dagegen mit etwas Kopfeinziehen. Vier Erwachsene sind also kein Problem, nur nicht, wenn ich fahre. Isofix für Kindersitze ist hinten vorhanden.
Kofferraum und Frunk403 Liter, mit umgeklappten Sitzen 1.201 Liter. Der Frunk fasst 15 Liter: Ladekabel und V2L-Adapter passen hinein, Badesachen für vier Personen nicht.

Verbrauch: rund 270 Kilometer echte Reichweite

Zwei Messungen aus dem Alltag: 15,6 kWh auf 100 Kilometer über 186,6 Kilometer Autobahn und Landstraße auf dem Weg nach Holland, und 13,1 kWh auf 100 Kilometer im Stadtverkehr. Die Bedingungen waren August, 22 bis 25 Grad, trocken, ohne Heizung und ohne Vollbeladung, also der Best Case. Daraus rechne ich rund 270 Kilometer echte Reichweite gegenüber 317 nach WLTP, also etwa 85 Prozent. Den Winter kann ich nicht beurteilen.

Was 100 Kilometer kosten (Preise August 2026, bei 15,6 kWh): Schnellladen ohne Ladeabo 0,56 Euro pro kWh, das sind 8,74 Euro. Öffentliches Wechselstromladen 0,39 Euro, das sind 6,08 Euro. Nachtstrom zu Hause 2,81 Euro. Eigener Solarstrom mit 1,09 Euro. Ein vergleichbarer Benziner braucht in der Stadt etwa 5 Liter und kostet bei 2 Euro rund 10 Euro auf 100 Kilometer.

Laden: Vorkonditionierung entscheidet

Kia gibt 118 kW an. Gesehen habe ich als Maximum 110 kW, nach langer Autobahnfahrt mit 2 Prozent Akku am Schnelllader in Holland. Der größere Unterschied war die Vorkonditionierung: Spontan an die Säule mit 47 Prozent waren es nur 46 kW. Als ich die Säule über den Routenplaner angesteuert habe, wärmte der EV2 den Akku vor, und es waren 96,6 kW Spitze, im Schnitt 70,8 kW, in 15 Minuten 18,37 kWh bis 62 Prozent. Mein Tipp: Immer über den Routenplaner navigieren, auch wenn man den Weg kennt.

Auf der Rückfahrt kamen bei einem längeren Stopp 29,71 kWh in 43 Minuten zusammen, Spitze 89,4 kW, hoch bis 93 Prozent. Über 80 Prozent fällt der Schnitt auf 41,3 kW.

22 kW Wechselstrom für 990 EuroZu Hause und an vielen öffentlichen Säulen halbiert das Paket die Ladezeit. Kia nennt 10 bis 100 Prozent in 2 Stunden 35 Minuten. An meiner Wallbox habe ich 19 kW gesehen, das kann an Wallbox und Einstellungen liegen. Für Laternenparker halte ich es für sinnvoll, dann aber zusammen mit dem Winterpaket.
Technology-Paket (1.190 Euro)Es bringt Navi und Ladeplanung mit Vorwärmen des Akkus. Ohne das Paket fährt der EV2 nur mit CarPlay und Android Auto. Wer öfter Langstrecke fährt, für den ist es fast Pflicht.

Holland-Fahrt: was sie gekostet hat

Ich bin mit 78 Prozent Akku in Solingen gestartet, rund 280 Kilometer in gut drei Stunden, mit zwei Ladestopps. Der erste kurz vor der Grenze: 15 Minuten, 19 kWh für 6,34 Euro. Der zweite in Assen: 23 Minuten, 28,16 kWh für 16,80 Euro. Zusammen 47 kWh für 23 Euro, im Schnitt 0,49 Euro pro kWh oder 8,26 Cent pro Kilometer. Geärgert hat mich eine langsame 11-kW-Säule am Hotel in Assen: Dort hat die Kilowattstunde 1,30 beziehungsweise 1,60 Euro gekostet, fast das Fünffache des Schnellladers mit meinem Abo. Den ausführlichen Artikel zur Fahrt gibt es hier: Was kostet Laden auf Langstrecke?

Anhänger: mit klarer Grenze

Der EV2 darf mit dem größeren Akku 750 Kilogramm ziehen, gebremst wie ungebremst, die Stützlast liegt bei 100 Kilo. Für den kleinen 42-kWh-Akku taucht je nach Datenblatt auch null Kilo auf. Mein Testwagen hat den Anhänger trotzdem gezogen, aber das war nicht ganz legal. Wer das vorhat, sollte unbedingt die Papiere des Fahrzeugs beim Händler prüfen. Eine Wohnwagenzulassung ist das ohnehin nicht, 750 Kilo reichen für den Baumarktanhänger.

Was mich gestört hat

Frunk nur symbolisch15 Liter, ringsum wirkt der Bereich etwas unfertig. Besser als gar kein Frunk, aber klein.
Ladeleistung ohne VorwärmenDie versprochenen 118 kW habe ich nicht gesehen, ohne Vorkonditionierung waren es nur 46 kW.
LenkradheizungDie Taste an der Fahrertür habe ich während der Fahrt unfreiwillig betätigt, danach wurde es sehr warm am Lenkrad. Mit meinen Knien sitzt sie ungünstig, das muss jeder selbst feststellen.
PreisspanneZwischen 26.600 Euro Liste und 37.530 Euro liegt eine ganze Welt. Einen voll ausgestatteten Wagen braucht man meiner Meinung nach nicht.

Für wen passt der EV2?

Für Paare, kleine Familien und alle, die einen effizienten Zweitwagen suchen, und auch für große Menschen, die glauben, kleine Autos wären nichts für sie. Nicht für Caravanzieher, nicht für alle, die regelmäßig weite Strecken ohne Stopp fahren wollen, und nicht für alle, die hinter einem Zwei-Meter-Mann noch mit Beinen sitzen möchten. Mein Fazit in einem Satz: kein Sportler, kein Raumwunder, aber ein sparsames, ehrlich gemachtes kleines Elektroauto, das im Alltag alles kann, was man wirklich braucht. Ich habe das Auto nur im Sommer gefahren.

Der Kia EV2 war ein Testwagen von Kia. Auf Inhalt und Bewertung hatte Kia keinen Einfluss. Im Video sind außerdem Partnerlinks zur THG-Quote enthalten, bei denen ich eine kleine Provision erhalte. Wie ich mit Werbung und Leihgaben umgehe, steht in meinem Kodex.

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