Ein kleiner Akku, ein kleiner Preis, ein kleines Auto: Der Kia EV2 ist das Gegenteil von fast allem, was ich in den letzten Jahren testen durfte. Zwei Wochen mit dem 42,2-kWh-Akku im Bergischen Land, auf einer Fahrt nach Assen in Holland – und mit der Frage, ob ein 2,02-Meter-Mann überhaupt reinpasst.
Der Testwagen in Kürze
Platz: passe ich rein?


Verbrauch: rund 270 Kilometer echte Reichweite
Zwei Messungen aus dem Alltag: 15,6 kWh auf 100 Kilometer über 186,6 Kilometer Autobahn und Landstraße auf dem Weg nach Holland, und 13,1 kWh auf 100 Kilometer im Stadtverkehr. Die Bedingungen waren August, 22 bis 25 Grad, trocken, ohne Heizung und ohne Vollbeladung, also der Best Case. Daraus rechne ich rund 270 Kilometer echte Reichweite gegenüber 317 nach WLTP, also etwa 85 Prozent. Den Winter kann ich nicht beurteilen.
Laden: Vorkonditionierung entscheidet
Kia gibt 118 kW an. Gesehen habe ich als Maximum 110 kW, nach langer Autobahnfahrt mit 2 Prozent Akku am Schnelllader in Holland. Der größere Unterschied war die Vorkonditionierung: Spontan an die Säule mit 47 Prozent waren es nur 46 kW. Als ich die Säule über den Routenplaner angesteuert habe, wärmte der EV2 den Akku vor, und es waren 96,6 kW Spitze, im Schnitt 70,8 kW, in 15 Minuten 18,37 kWh bis 62 Prozent. Mein Tipp: Immer über den Routenplaner navigieren, auch wenn man den Weg kennt.
Auf der Rückfahrt kamen bei einem längeren Stopp 29,71 kWh in 43 Minuten zusammen, Spitze 89,4 kW, hoch bis 93 Prozent. Über 80 Prozent fällt der Schnitt auf 41,3 kW.
Holland-Fahrt: was sie gekostet hat
Ich bin mit 78 Prozent Akku in Solingen gestartet, rund 280 Kilometer in gut drei Stunden, mit zwei Ladestopps. Der erste kurz vor der Grenze: 15 Minuten, 19 kWh für 6,34 Euro. Der zweite in Assen: 23 Minuten, 28,16 kWh für 16,80 Euro. Zusammen 47 kWh für 23 Euro, im Schnitt 0,49 Euro pro kWh oder 8,26 Cent pro Kilometer. Geärgert hat mich eine langsame 11-kW-Säule am Hotel in Assen: Dort hat die Kilowattstunde 1,30 beziehungsweise 1,60 Euro gekostet, fast das Fünffache des Schnellladers mit meinem Abo. Den ausführlichen Artikel zur Fahrt gibt es hier: Was kostet Laden auf Langstrecke?
Anhänger: mit klarer Grenze
Der EV2 darf mit dem größeren Akku 750 Kilogramm ziehen, gebremst wie ungebremst, die Stützlast liegt bei 100 Kilo. Für den kleinen 42-kWh-Akku taucht je nach Datenblatt auch null Kilo auf. Mein Testwagen hat den Anhänger trotzdem gezogen, aber das war nicht ganz legal. Wer das vorhat, sollte unbedingt die Papiere des Fahrzeugs beim Händler prüfen. Eine Wohnwagenzulassung ist das ohnehin nicht, 750 Kilo reichen für den Baumarktanhänger.
Was mich gestört hat
Für wen passt der EV2?
Für Paare, kleine Familien und alle, die einen effizienten Zweitwagen suchen, und auch für große Menschen, die glauben, kleine Autos wären nichts für sie. Nicht für Caravanzieher, nicht für alle, die regelmäßig weite Strecken ohne Stopp fahren wollen, und nicht für alle, die hinter einem Zwei-Meter-Mann noch mit Beinen sitzen möchten. Mein Fazit in einem Satz: kein Sportler, kein Raumwunder, aber ein sparsames, ehrlich gemachtes kleines Elektroauto, das im Alltag alles kann, was man wirklich braucht. Ich habe das Auto nur im Sommer gefahren.
Verwandte Themen: Elektroautos im Familienalltag · Ladekosten auf Langstrecke: Kia EV2 · Kia EV5 im Gespann-Test
